World Usability Day 2018 in Frankfurt: Transparency?

WUD Frankfurt 2018: Transparency? Zwischen Bequemlichkeit und Überforderung

Am 8. November 2018 findet der World Usability Day auch in Frankfurt wieder statt. Dieses Jahr geht es um das Thema Transparenz und seine Bedeutung für die Gestaltung von Services und Produkten.

Am 8. November 2018 findet wieder weltweit der World Usability Day statt und seine zentrale Fragestellung lautet: Design for Good or Evil?. Wie können wir mit besserer Usability eine bessere Welt schaffen?

In Frankfurt legen wir den Fokus – wie es beinahe „Tradition“ ist – wieder stärker auf Design als auf Usability. Unser diesjähriges Thema ist „transparency?“ – bewusst versehen mit einem abschließenden Fragezeichen.

Schafft der Innovationstreiber Nummer 1 Intransparenz und Misstrauen?

Bequemlichkeit als Innovationstreiber

Bequemlichkeit ist heute eine der wichtigsten Treiber von Innovation. Beim Umgang mit Produkten kann intuitive Benutzung wesentlich zum Markterfolg beitragen. Der Autor Steve Krug bringt dieses Paradigma in seinem scharfzüngigen Buchtitel „Don’t make me Think“ mehr als deutlich zum Ausdruck. Wenn wir heute von User Experience und Usability sprechen, schwingt diese Maxime immer mit – obwohl Usability eher mit Nutzerfreundlichkeit als mit reiner Bequemlichkeit zu tun haben sollte.

Wir streben nach Nutzerzentrierung: Wir gestalten einfache User Interfaces, kaschieren komplexe Systeme und trainieren künstliche Intelligenzen, um Services automatisiert immer besser auf Personen zuzuschneiden. Dabei wird der vermeintlichen Usability von Produkten oder Diensten jedoch häufig deren Durchschaubarkeit, also die Transparenz ihrer Funktionsweise geopfert.

 

Vorreiter Digitalbranche

Die besten Beispiele sind so bequem, dass wir sie alle täglich nutzen. Firmen wie Facebook und Google haben es erfolgreich geschafft, unseren Umgang mit Informationen wohl so bequem wie niemals zuvor zu machen.

Die schier unüberschaubare Informationsmenge des Internets wird durch sie kategorisiert und erfahrbar gemacht. Mit ihnen finden wir Freunde, Bekannte und Kollegen, das beste Restaurant für den Abend und die Zeitungsartikel, die uns interessieren. Algorithmen erforschen, was uns interessiert, und spielen uns die vermeintlich relevantesten Ergebnisse personalisiert aus. Das Zustandekommen dieser Ergebnisse ist dabei für den Nutzer kaum nachvollziehbar.

 

Intransparenz erzeugt Misstrauen

Derzeit sehen wir prominent in den Medien, wie es Nutzern plötzlich unangenehm werden kann, wenn sie ihr Produkt zu wenig durchschauen. Im Kontext Suchmaschine oder soziales Netzwerk fragen sie sich: Warum werden mir bestimmte Inhalte (nicht) angezeigt? Wie arbeitet der Algorithmus, was macht er mit meinen Daten? Kann man seine Funktionsweise missbrauchen?

Gerade künstliche Intelligenzen und Big Data sind diesbezüglich sehr intransparent: Zum Beispiel weiß nicht einmal Google selbst, wie sein AlphaGo Zero nun genau Go spielt. Der Gipfel der Bequemlichkeit – statt selbst zu spielen oder überhaupt die Regeln kennen zu müssen, einfach spielen lassen – geht mit Intransparenz einher. Das schafft eine Vertrauenskrise in das intransparente System. Nicht gut für Unternehmen, wenn es sich dabei um das eigene Produkt handelt und eventuell auch mehr als eine gelungene Partie Go auf dem Spiel steht.

Je nach Gegenstand zeigt ein Mehr oder Weniger an Transparenz Wirkung. Diese Wirkung muss überprüft und gestaltet werden.Iconstorm

 

Transparenz schafft nicht notwendigerweise Vertrauen

Eine Vertrauenskrise führt nutzerseitig nicht selten zur Forderung nach mehr Transparenz. Basierend auf der Maxime, dass „gute“ Unternehmen transparent sind, wünschen sich Verbraucher Informationen zu Qualitätsstandards, Wertschöpfungskette, Produktinhalten oder -funktionsweisen, die das Vertrauen in eine Marke auf die Probe stellen können.

Was passiert, wenn diese Transparenz geschaffen wird? Wir könnten ganze Lieferketten transparent machen, wie es im Kontext der Blockchain diskutiert wird. Das erzeugt eine Menge Transparenz, gleichzeitig fördert die plötzliche Masse an Informationen Komplexität zutage. Will man wirklich so genau wissen, wie welches Produkt entstanden ist? Und wenn ja: Hat man dann die Geduld, diese Informationen auch aufzunehmen? Und hat man die Motivation, sein Verhalten auch tatsächlich zu ändern, wenn die Informationen nicht gefallen?

Transparenz wird häufig mit einem Unterton moralischer Überlegenheit gefordert; aber sie hat das unbequeme Nebenprodukt, dass sie Komplexität erzeugt. An einem gewissen Punkt, an dem zu viel Transparenz herrscht, entsteht ebenfalls wieder Misstrauen.

Die entscheidende Frage ist: Ab wann ist es der Transparenz zu viel?

Zunehmende Transparenz schafft nicht direkt Vertrauen und Akzeptanz – ebensowenig wie absolute Reduktion.

 

Transparenz als Design-Prinzip: Zwischen Bequemlichkeit und Komplexität

Transparenz eröffnet damit ein Spannngsfeld: Wann ist ein Produkt zu bequem und regt nicht mehr dazu an, sich mit ihm auseinanderzusetzen? Wann werden Produkte zu komplex und fordern zu viele kognitive Ressourcen?

Für alles, was gestaltet wird, ist es wichtig, die Faktoren seiner (In-)Transparenz zu erforschen und zwischen den Extremen eine Balance zu finden, die Vertrauen erzeugt – aber kein blindes Vertrauen voraussetzt.

Dabei ist es wichtig, Transparenz nicht moralisch aufgeladen, sondern wertfrei zu betrachten. Der Begriff steht kontextunabhängig für Durchsichtigkeit und Durchschaubarkeit. Je nach Gegenstand, auf den er bezogen wird, sei es der Staat, ein Produkt, ein Markt oder ein Unternehmen, zeigt ein Mehr oder Weniger an Transparenz Wirkung. Diese Wirkung muss überprüft und gestaltet werden – so wird Transparenz zu einer relevanten Kategorie für Design.

 

Unsere Kernfragen auf dem WUD 2018 in Frankfurt

Fakt ist: Wir brauchen ein gewisses Maß an Transparenz, um unsere Welt lenken und gestalten zu können. Völlig undurchsichtige Black Boxes, beispielsweise in Form künstlicher Intelligenzen, sind dem abträglich, während absolute Transparenz zu viel Komplexität erzeugt. Das wirft wesentliche Fragen auf, mit denen wir uns auf dem WUD 2018 befassen wollen.

 

Unsere Kernfragen auf dem WUD 2018:

  • Wie wirkt ein Mehr oder Weniger an Transparenz in der Psychologie von Konsumenten und Nutzern? Wie geht der Mensch mit Intransparenz um, wie mit Komplexität?
  • Wie identifizieren wir die richtige Balance zwischen zu viel und zu wenig Information? Welche Methoden gibt es im Design und seinen benachbarten Disziplinen, mit denen wir Transparenz gestalten können?
  • Welche Erwartungen werden bezüglich Transparenz an Unternehmen herangetragen? Welche Rolle spielt Transparenz für Vertrauen in Marken und Produkte?
  • Wie können Teams in Design und Produktentwicklung ihre Arbeitsprozesse transparent machen? Bis zu welchem Grad ist das möglich – und bis zu welchem sinnvoll?

 

World Usability Day Frankfurt

Nach drei erfolgreichen Veranstaltungen ist der World Usability Day in Frankfurt Treffpunkt für eine stetig wachsende Teilnehmerzahl aus den Bereichen Usability Engineering, User Experience und Produkt-Design.

Die Veranstaltung fokussiert Aspekte des Designs und seine wachsende Rolle in Innovations- und Produktentwicklungsprozessen, Themen wie Nachhaltigkeit, Komplexität und Nutzen von digitalen und hybriden Produkten und Services, Arbeitsprozess-, Ausbildungs- und Branchenentwicklung.

 

Partner und Unterstützer

Iconstorm kuratiert und veranstaltet gemeinsam mit Partnern einen inspirierenden Austausch zwischen aktueller Forschung, Unternehmenspraxis und Lehre. Wir freuen uns, neben unseren Mitorganisatoren der DB Systel dieses Jahr den Rat für Formgebung als Partner des WUD Frankfurt begrüßen zu dürfen. Gefördert wird die Veranstaltung wieder vom Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung. Die German UPA koordiniert den World Usability Day deutschlandweit.

 

Sie wollen den WUD Frankfurt besuchen?

Wir würden uns freuen, Sie am 8. November im Silberturm der DB Systel GmbH über den Dächern Frankfurts begrüßen zu dürfen.

Weitere Informationen finden Sie auf der Website zur Veranstaltung. oder folgen Sie uns auf Twitter, um regelmäßige Updates zu erhalten.

 

Call for Papers and Support

Unsere Programmplanung für den WUD Frankfurt 2018 ist derzeit noch nicht abgeschlossen. Setzen Sie sich professionell in Forschung oder Praxis mit dem Thema auseinander und möchten zu der Veranstaltung etwas beitragen? Oder kennen Sie jemanden, der als Speaker oder Sponsor perfekt passen würde? Dann freuen wir uns, mit Ihnen in Kontakt zu treten.

Ihr Ansprechpartner für die Veranstaltung ist Felix Guder

Schicken Sie uns gerne eine E-Mail oder rufen Sie an!