Design Pattern finden und ein Designsystem entwickeln für ein besseres Markenerlebnis

Vom Design Pattern zum Designsystem: So stärken Sie Ihre Marke

Titelbild: Vom Design Pattern zum Designsystem: So stärken Sie Ihre Marke

Am 29. August fand im Büro von Iconstorm der dritte Design System Exchange Meetup (DSX) in Frankfurt statt. Innerhalb der Veranstaltungsreihe widmen sich Designer, Entwickler, Manager und weitere Interessierte dem Thema Designsysteme. Dieses Mal führte Felix Guder in das Thema Design Pattern ein und zeigte, wie man durch das entwickeln von einem Designsystem das Markenerlebnis verbessern kann. Die Einführung basierte in Grundzügen auf dem Buch „A Pattern Language“ von Christopher Alexander. Wir haben das Thema für Sie auch auf unserem Blog aufgearbeitet.

Der Design System Exchange Meetup (DSX)

Der DSX eine Veranstaltungsreihe in Frankfurt, bei der wir über Entwicklung, Einsatz und Strategie von Designsystemen sprechen. Wir zeigen, inwieweit sich diese positiv auf Produkte, Marken, Kunden- bzw. Nutzererlebnis, User-Interfaces und Software-Entwicklung auswirken. Bei jedem Treffen steht ein neuer Aspekt im Mittelpunkt. Organisator der Reihe ist Benno Loewenberg. Wir unterstützen ihn gerne durch das Bereitstellen unserer Räume sowie beim inhaltlichen Aufbau des Formats.

Mehr Infos zu den bisherigen Treffen finden Sie auf der Meetup-Seite zur Veranstaltungsreihe.

Workshop zu Design Pattern und Designsystemen beim DSX im Büro von Iconstorm
Workshop beim DSX Meetup im Iconstorm-Büro: Design Pattern finden, ein Designsystem entwickeln und Markenprobleme lösen. Wir bedanken uns für die engagierte Diskussion!

Design Pattern: Eine kurze Einführung

Muster in der menschlichen Lebenswelt

Pattern – oder auf Deutsch: Muster – sind uns als Menschen von Natur aus nicht fremd. Bei einem Muster handelt es sich grundsätzlich um eine Struktur, die ein Mindestmaß an Symmetrie und sich wiederholenden Merkmalen aufweist. Genau diese Wiederholung gibt dem Muster eine Bedeutung. Sie ist die Eigenschaft, die das Muster zum Muster macht. Sie kennen das aus dem Wohnbereich: Nicht selten sind Teppiche oder Fliesen in Bad und Küche von dekorativen Mustern geziert. Wir Menschen sind ausgesprochen gut darin, diese Muster zu erkennen. Unser Gehirn macht das automatisch. Damit reduziert es die Komplexität unserer Lebenswelt und hilft uns, darin Ordnung zu schaffen und uns darin zurecht zu finden. Wahrscheinlich sind genau deshalb auch optische Muster auf Oberflächen wie Fliesen so angenehm anzusehen.

Natürlich bedarf es aber nicht zwingend einer sichtbaren Oberfläche, um Muster ausfindig zu machen. Wir sind genauso in der Lage, davon zu abstrahieren. Wiederkehrende Muster liegen wohl den allermeisten Aspekten menschlichen Lebens zugrunde, angefangen bei unserer Biologie und den Formen unseres Zusammenlebens, bis hin zu Sprache, Musik oder Mathematik. Und gerade weil unser Leben so stark von Mustern geprägt ist, spielen diese auch im Design eine wichtige Rolle. Wir sprechen hier von Design Pattern.

Each pattern describes a problem that occurs over and over again in our environment and then describes the core of the solution to that problem, in such a way that you can use this solution a million times over, without ever doing it the same way twice.
Christopher Alexander, A Pattern Language,1977

Design Pattern: Systematisierung durch Christopher Alexander

Der Begriff der Design Pattern wurde basierend auf der Arbeit des amerikanischen Architekten Christopher Alexander populär. Bereits in den 70er Jahren schrieb er das Buch „A Pattern Language„. In seinem umfangreichen Werk identifiziert Alexander wiederkehrende Muster, mit denen in der Architektur Designprobleme gelöst werden. Insgesamt macht er dabei 253 solcher Muster aus, die er dann systematisiert bzw. in Größenordnungen unterteilt: Für die Anwendung zur Gestaltung ganzer Städten, über den Aufbau von Gebäuden bis hin zu Details in Innenräumen. Die Hypothese: Diese Design Pattern können als Standardlösung für immer wieder auftretende Problemkomplexe genutzt werden.

Alexanders Systematik wurde zwar in der Architektur nur verhalten aufgenommen, dafür fand sie aber große Beliebtheit in der Software-Entwicklung. Und heute ist sie auch ein wichtiges Konzept für die Design-Branche. Gestaltungsmuster nach Alexander funktionieren in allen Teildisziplinen des Designs. Sie haben enormes Potenzial, da die Aufgaben, die Design heute lösen soll, teilweise eine hohe Komplexität aufweisen. Mit Design Pattern können die darin verborgenen Probleme gelöst werden. Nach Alexander weisen die Muster dabei immer dieselbe dreigliedrige Struktur auf.

Struktur von Design Pattern nach Alexander

Kontext

Eine Situation bzw. Sachlage, aus der heraus ein Designproblem entsteht

Problem

Das Problem, das mit Hilfe des Musters gelöst werden soll

Lösung

Grundlegenden Prinzipien zur Lösung des Problems

Alexander beobachtete, wie auch in unterschiedlichsten Gebäuden dieselben Probleme mit denselben Lösungsprinzipien bedacht wurden. Seine Erkenntnis war, dass man die jeweiligen Muster, bei denen Kontext, Problem und Lösung untrennbar miteinander zusammenhängen, vom Einzelfall abstrahieren kann. Einfaches Beispiel: Für eine bestimmte menschliche Problemsituation gibt es ein Muster namens „Stuhl“. Der Stuhl erfüllt immer wieder dieselbe Aufgabe. Die Prinzipien dahinter sind klar definierbar und werden bei allen Stühlen angewandt. Das Muster wiederholt sich. Doch trotzdem gibt es eine schier unüberschaubare Anzahl extrem unterschiedlicher Stühle auf dem Markt. Der große Vorteil der Hersteller ist dabei, dass sie sich aber das Muster „Stuhl“ nicht jedes Mal neu ausdenken müssen. Stattdessen können sie es einfach übernehmen und sich auf andere gestalterische Fragen konzentrieren.

 

Vom Design Pattern zum Designsystem…

Design Pattern nach dieser Systematik können überall da ge- oder erfunden werden, wo der Mensch Probleme löst. Nehmen wir zum Beispiel das Interface Design: Über einen kurzen Zeitraum haben Websites Muster hervorgebracht, die vielschichtige Aspekte umfassen. Dazu gehören kleinteilige Elemente wie der Button oder das Suchfeld, komplexere Muster wie das Kontaktformular oder der Warenkorb und globale Muster für ganze Seiten, zum Beispiel „Blog“ oder „Online-Shop“. Ähnlich wie bei Alexanders Beobachtungen zur Architektur stehen diese dabei in einem gegenseitigen Zusammenhang.

Für die meisten Aufgaben, die der User ausführen möchte, gibt es ein passendes Muster. Und aus dem Zusammenhang der Muster erwächst eine Seite als Ganzes. Die Herausforderung ist nun, die wichtigen Design Pattern zu identifizieren, zu sammeln, ihre Zusammenhänge zu analysieren und sie dann  zu kombinieren. Das resultierende Designsystem ist dann sozusagen ein Algorithmus für die Gestaltung – ob von Webseiten oder Städten. Auch wegen seiner vielseitigen Anwendbarkeit haben wir dieses Konzept bei Iconstorm für unsere Arbeit übernommen und weiterentwickelt. Was aber genau hat das mit Marken und Kundenerlebnis zu tun?

Systematische Zusammenhänge zwischen Design Pattern und Designsystem als graphische Darstellung.
Wir können systematische Zusammenhänge zwischen Design Pattern identifizieren und klassifizieren. Sie dienen dann dem Aufbau von Designsystemen.

 

… und vom Designsystem zum konsistenten Markenerlebnis

Nun zum Thema Marke: Design Pattern sind äußerst hilfreich, um ein Markenerlebnis zu verbessern. Denn eine Marke ist in ihrem Wesen ebenfalls ein Muster. Marken sind reproduzierbar, wiedererkennbar und bieten eine Lösung für ein bestimmtes Problem in einem Kontext. Auch sie bestehen aus einem hierarchischen System aus Mustern, wie dem Namen, der Kennfarbe oder den Markenwerten. Wie mit anderen Mustern können Menschen also auch mit Marken intuitiv interagieren. Entsprechend kann man sich die Muster zunutze machen, um ein konsistentes Markenerlebnis zu schaffen. Dafür muss man „nur“ klären, in welchen Fällen welche Muster wofür eingesetzt werden (Kontext-Problem-Lösung). Bei gewissenhafter Umsetzung ist das Ergebnis eine konsistente Nutzererfahrung unabhängig vom jeweiligen Touchpoint.

Aus Kundensicht ist das Thema Konsistenz wichtig, da es das Erleben der Marke vereinfacht. Je mehr Handlungen und Zusammenhänge das Gehirn schon kennt, desto effizienter kann es damit umgehen. Und desto angenehmer wird wiederum die Interaktion mit der Marke. So kann man ein Buzzword wie „Kundenfreundlichkeit“ zu etwas entwickeln, das Nutzer bis in das kleinste Detail eines Produktes hinein erleben. Entsprechend lohnenswert ist es, die dafür relevanten Muster zu sammeln und zu systematisieren. Im Normalfall geschieht das in einer Pattern Library. Welche Pattern dann wie darin aufgenommen werden, ist allerdings keine ganz einfache Frage. In der Praxis bedarf diese einiger Vorarbeit, eines methodischen Vorgehens und sehr genauer Analysen. Der Aufwand lohnt sich aber! Geht man das Projekt aber richtig an, hat man am Ende einen Gestaltungsalgorithmus, der über die gesamte Marke ein konsistentes Nutzererlebnis schaffen kann.

 

Design Pattern als Antwort auf Wicked Problems?

Das Finden von Gestaltungsmustern und ihre Übertragung auf neue Kontexte ist essenziell für unsere Arbeit als Designer. Das machten wir nach der Präsentation noch in einem Workshop deutlich. Wir hoffen, dieser praktische Teil hat gezeigt, wie wichtig und wirkungsvoll die Identifikation von Design Pattern heute ist. Auf Produktebene lassen sich damit nicht „nur“ bessere Nutzererlebnisse schaffen, sondern man kann auch auf ganz dringender Anforderungen unserer Zeit reagieren. Zum Beispiel steht heute das Thema Nachhaltigkeit bei der Entwicklung jedes Produktes im Fokus. Mit dem Ecodesign entwickelt sich eine Herangehensweise, die sich umfassend damit beschäftigt. Da gerade dieses Thema eine hohe Komplexität aufweist, sind wir der Meinung, dass Design Pattern in dem Bereich eine große Hilfe sein könnten.

Der Klimawandel ist eines der Wicked Problems, die so komplex sind, dass wir sie analytisch kaum greifen können. Das drückt sich auch im „Leben“ von Produkten aus. Die sind heute eingebettet in Zusammenhänge, die Fragen aufwerfen. Zu Material, Beschaffung, Energieeffizienz, Schadstoffen, Abfall, Produktlebenszyklus, Entsorgung oder dem Umgang der Nutzer mit ihnen. Diese Vielschichtigkeit macht die Suche nach wirklich nachhaltigen Lösungen ebenfalls komplex. Ihr wird sich im Kontext der Circular Economy gewidmet, bei der es darum geht, Ressourcen möglichst energiesparsam und ohne die Produktion von Abfall oder Emissionen einzusetzen. Aufgrund der Komplexität, ist es dabei aber selten möglich, „große“, ganzheitliche Lösungen zu finden. Hier werden Systemlösungen benötigt, die nicht nur manche, sondern alle Fragen beantworten.

Buch: Das Design Digitaler Produkte von Jochen Denzinger (Iconstorm)
Wenn Sie sich weiter zu Designsystemen informieren möchten, lohnt sich übrigens auch ein Blick in Jochen Denzigers Buch „Das Design Digitaler Produkte„. Dort hat Felix Guder dem Thema ebenfalls einen Abschnitt gewidmet.

Eine Design Pattern Library zur Circular Economy

Um genau das zu vereinfachen, suchen wir bei Iconstorm die Antworten, die es in der Welt gibt, nach Mustern ab. Die fassen wir derzeit in einer Design Pattern Library für Lösungen im Bereich der Circular Economy zusammen. Denn auch hier können dieselben Designprobleme verschiedenen Kontexten (z. B. Branchen) auftauchen. Eine Design Pattern Library macht es möglich, die Muster, nach denen auftauchende Probleme bereits gelöst wurden, auf die eigene Situation zu übertragen. So kann sie als Algorithmus für nachhaltige Produktgestaltung dazu beitragen, die Komplexität dieser Aufgabe insgesamt (also beispielsweise branchenunabhängig) zu reduzieren. Und sie kann einen wichtigen Beitrag leisten, um mit einem der Wicked Problems unserer Zeit umzugehen. Wegen genau solcher Möglichkeiten sind wir überzeugt, dass es sich lohnt, sich mit dem Thema Designsysteme auseinanderzusetzen.

Wenn Sie das Thema Design Pattern und seine Einsatzmöglichkeiten in Bereichen wie Marke, Produkt oder Experience interessieren, dann sprechen Sie gerne mit uns. Oder kommen Sie einfach bei unserem nächsten Meetup vorbei.